EINE PETITION FÜR KINDER

WARUM?

“Manche Politiker lachen uns aus, sagen, dass wir keine Ahnung hätten, oder dass früher alles besser war, weil Kinder ihren Mund gehalten haben.”
Ein Interview mit Pina Helsen, Marian Jones und Roos Monbaliu
Geführt von Stijn Devillé, Intendant des Theaters Het Nieuwstedelijk
Fotos: Ewoud Monbaliu

Ein sonniger Februartag. Wir verabreden uns bei Marian zuhause. Die Stimmung stellt sich gleich ein. 'Große Menschen sagen zwar, dass wir zur Schule gehen müssen, oder draußen spielen sollen, anstatt uns um die Klimadebatte zu kümmern. Aber wie sollen wir, oder unsere eigenen Kinder, später noch draußen spielen können, wenn die Erde in CO2 erstickt?

Zunächst mal: wenn ich richtig informiert bin, dürft ihr überhaupt noch keine Petition starten. Man muss mindestens 13 Jahre alt sein, um etwas unterschreiben zu dürfen.
Marian: Das macht mich eigentlich sehr böse und gleichzeitig traurig. Pfff. Das war wirklich eine Enttäuschung. Wir dürfen nicht demonstrieren und jetzt dürfen auch noch keine Petition unterschreiben. Wir dürfen scheinbar nichts, bloß unseren Mund halten. Darum sind wir zum Kommissar für Kinderrechte gegangen. Wir sind es, die am meisten unter der Klimaerwärmung zu leiden haben. Wobei das gar nicht unsere Schuld ist. Und wir werden auch nichts mehr daran ändern können, wenn wir später studiert haben. Dann ist es zu spät. Diese Petition starten und jetzt unsere Stimme hören lassen, ist alles was wir tun können. Wir haben auch eine Stimme. Wir rufen alle Kinder auf der ganzen Welt auf, diese Petition zu unterzeichnen! Wenn auch nur mithilfe unserer Eltern.
Verstehen Kinder den etwas von der Klimaerwärmung? Schwänzt ihr nicht bloß, weil andere das tun, weil das leicht ist, mit anderen mit zu laufen? Oder findet ihr's nicht bloß einfach nett, 'nen Nachmittag von der Schule wegzugehen und ein bisschen zu demonstrieren?
Roos: Wir sind Kinder einer Grundschule, was aber nicht bedeutet, dass wir keine Ahnung haben. Wir sehen fast täglich die Kindernachrichten und sogar die Nachrichten für Erwachsene. Wir machen momentan Aktuas und Arbeiten in der Schule. Du musst nicht glauben, wir wären ahnungslos!
Was sind Aktuas?
Pina: Ich glaube, bei euch hieß das früher Referate, oder so. In einer Aktua präsentieren wir vor der ganzen Klasse ein aktuelles Thema, über das wir mit der ganzen Gruppe diskutieren. Manchmal laden wir auch Wissenschaftler ein, um uns in der Klasse ein bestimmtes Thema zu erklären. Biodiversität zum Beispiel.
Roos: Biodiversität, Ernährung, ehrlicher Handel, soziale Medien, Parteipolitik und natürlich auch Klimaveränderung. Dazu lesen wir Bücher aus der Bibliothek, Zeitungen, Wikipedia. Manche Kinder lesen manchmal sogar wissenschaftliche Bücher, zusammen mit ihren Eltern und unseren Lehrern. Wir besuchen Ausstellungen und Theaterstücke, zu diesen Themen und sprechen mit den Künstlern. Und wir interviewen Experten und machen dazu Zeitungen.
Versteht ihr denn, was die Experten und Wissenschaftler sagen und schreiben?
Marian: Die technischen Dinge verstehen wir natürlich nicht! Aber anscheinend verstehen wir wohl viel besser als unsere Politiker, was wirklich nötig ist: wir stehen kurz vor dem Punkt, an dem wir nichts an der Klimaveränderung tun können. Die Menschen verlieren die Kontrolle. Das bedeutet, dass sehr viele Menschen,überall auf der Welt, ziemlich schlimm unter den Folgen zu leiden haben werden.
Pina: Es gibt einen bekannten englischen Biologen (Sir David Attenborough, Anmerkung der Redaktion) der sogar sagt, dass das der Anfang vom Ende der Menschen sein kann. Verstehst du, wie unheimlich das für uns ist, das zu hören? Das macht mich wirklich ratlos. Hey, da geht es um uns!
Okay. Mir scheint das schön und sinnvoll, wenn ihr da in der Schule zu arbeitet. Aber wenn das alles schon in der Klasse passiert, worüber beklagt ihr euch dann?
Marian: Darüber in der Schule zu reden, löst doch nicht das Problem? Wir müssen etwas tun, so, wie Greta Thunberg und Anuna De Wever! Darum starten wir diese Petition.
Pina: Was Greta Thunberg und Anuna De Wever wirklich wütend macht ist, dass unsere Politiker nicht begreifen, dass die Erwärmung unserer Erde das größte Problem aller Zeiten ist, das JETZT angepackt werden muss, bevor es zu spät ist.
Greta Thunberg und Anuna De Wever sind eure Vorbilder. Aber die sind doch selber keine Wissenschaftler?
Marian: Natürlich nicht. Aber unsere Minister sind auch keine Klimawissenschaftler. Greta und Anuna rufen auch nur dazu auf, auf die Wissenschaftler zu hören. So, wie Great Thunberg sagt: wenn Wissenschaftler beweisen, dass es ein Problem mit dem Klima gibt, und dass die Folgen für jeden sehr schlimm sein werden, dann ist es doch normal, dass wir was dagegen tun?
Dafür braucht man auch viel Geld. Dazu braucht man die Wirtschaft. Die kann man nicht einfach so stilllegen, sonst haben gar kein Geld mehr.
Pina: Die Wirtshaft, wie sie jetzt funktioniert, macht uns krank. Das ist wie, wenn einem Arzt der sagt, dass man Krebs hat, aber man kann überleben, wenn man die Behandlung JETZT anfängt. Dann sucht man sich doch keinen anderen Arzt, der einem sagt,dass man nicht krank ist. Dann sucht man doch nicht nach Entschuldigungen, um nichts zu tun? Nein, dann sagt man: "Sag mir was ich tun muss, um das zu überleben!"
Marian, dein Vater ist der Umweltwissenschaftler Peter Tom Jones, der arbeitet an der Königlichen Universität Löwen. Versucht der nicht bloß, dich vor seinen Karren zu spannen?
Marian : Das ist eine beleidigende Frage. Und, was für ein Karren soll das denn sein? Dass wir als Menschen auf dieser Welt überleben wollen? Wollen wir das nicht alle? Vielleicht reden wir bei uns zuhause mehr über die Klimaerwärmung als in anderen Familien, kann sein. Aber wir haben doch selber Augen? Wir sehen doch selber, was da passiert? Das war meine eigene Idee, eine Rede bei der Klimademo in Löwen zu halten. Das war meine Idee, eine Kinderpetition zu starten. Das ist eigentlich andersrum, ich spanne meine Eltern vor meinen Karren! Unsere Generation ist diejenige unter allen lebenden Generationen, die am meisten unter der Klimaerwärmung zu leiden haben wird. Wobei das gar nicht unsere Schuld ist. Und wir werden auch nichts mehr daran ändern können, wenn wir später studiert haben. Dann ist es zu spät. Diese Petition starten und jetzt unsere Stimme hören lassen, ist alles was wir tun können.
Roos: Manche Politiker lachen uns aus, sagen, dass wir keine Ahnung hätten, oder dass früher alles besser war, weil Kinder ihren Mund gehalten haben. Aber wir werden unseren Mund nicht mehr halten, bis endlich zugehört wird. Also, wir sind nicht einverstanden. Wir fordern, dass wir gehört werden!

Toespraak Marian Jones

Herbekijk hier de speech van Marian op Le(u)ven voor het klimaat.

Geplaatst door Freinetschool de Zevensprong op Donderdag 7 februari 2019